Vielen Anlagen droht das Aus
In Deutschland droht vielen Biogasanlagen die Stilllegung. Der Fachverband Biogas fordert daher von der Politik eine verlässliche Energiewende statt eines politischen Schlingerkurses. In Deutschland laufen nach Angaben der Branchenorganisation insgesamt 9.605 Anlagen mit einer Gesamtproduktion von 80,6 TWh. Die elektrische Leistung sei gestiegen, und auch die Biogasaufbereitung werde immer wichtiger. Die Branche erwirtschaftet laut FvB jährlich rund 8 Mrd. Euro und sichert 67.300 Jobs.

In Deutschland droht die Stilllegung vieler Biogasanlagen, weil Parameter und Perspektiven nicht passen. Das hat der Präsident des Fachverbandes Biogas (FvB), Thomas Karle, hervorgehoben. "Das müssen wir dringend ändern", appellierte Karle am Mittwoch (10.3.) bei der Vorstellung der aktuellen Branchenzahlen an die Politik. Gebraucht werde eine "kluge Energiewende" mit einer planbaren Investitionssicherheit, weg vom Schlingerkurs.
Nach Angaben des Fachverbandes beläuft sich der gesamte Biogasanlagen-Park in Deutschland - also die Vor-Ort-Verstromung sowie die Biogasaufbereitung - auf 9.605 Anlagen. Diese erzeugten zusammen mehr als 80,6 Terawattstunden Energie; das entspreche gut einem Drittel der gesamten in Europa aus diesem Energieträger produzierten Menge.
Nach den Worten von FvB-Vizepräsident Christoph Spurk muss Deutschland aufpassen, dass es diese Vorreiterrolle im Bereich Biogasanlagen nicht leichtfertig aufs Spiel setzt. Es sei schwer nachzuvollziehen, dass in den vergangen vier Jahren fast alle EU-Staaten eine Biogas- und Biomethanstrategie entwickelt hätten, um ihre Volkswirtschaften nachhaltiger und resilienter zu machen, sich der Technologieführer Deutschland diesem europäischen Prozess aber völlig verweigere.
"Das schadet unserem Industriezweig", kritisierte Spurk. Es gehe immerhin um einen Branchenumsatz in Höhe von 8 Mrd. Euro; mit dem wachsenden Auslandsmarkt seien es sogar 9,6 Mrd. Euro. Zudem hingen 67.300 Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Biogasnutzung, vor allem im ländlichen Raum.
Elektrische Leistung gestiegen
Laut FvB gab es Ende 2025 in Deutschland 9.315 Biogasanlagen, die vor Ort verstromen. Hinzukamen 290 Anlagen, die Biogas zu Biomethan aufbereiten. Die Vor-Ort-Verstromungsanlagen hätten zusammen eine installierte elektrische Leistung von 6.816 Megawatt bei 3.316 Megawatt Bemessungsleistung. Die Differenz der beiden Zahlen ergebe die Überbauung beziehungsweise Flexibilisierung, die für die bedarfsgerechte Stromerzeugung relevant sei.
Auffällig sei, dass sich die installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen weiter sehr positiv entwickelt habe, hob Karle hervor. Diese Tendenz zeige, dass die Biogasanlagen immer flexibler würden und dadurch eine immer wichtigere Rolle für das Stromnetz spielten. Das werde sowohl politisch als auch gesellschaftlich gefordert. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 29 Terawattstunden Biogasstrom erzeugt worden, was dem Bedarf von 8,8 Mio. Haushalten entspreche.
Die bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk (BHKW) anfallende Wärmemenge lag nach Angaben des FvB 2025 bei 32,3 Terawattstunden. Davon seien 18,7 Terawattstunden außerhalb der Biogasanlage genutzt worden, also in Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen oder Industrieprozessen. Diese Wärmemenge entspreche dem jährlichen Bedarf von 1,4 Mio. Haushalten. Karle bedauert, dass diese Leistung in der aktuellen Diskussion um das Potenzial von Biogas häufig übersehen werde.
Biogasaufbereitung immer wichtiger
Signifikant an Bedeutung gewinnt dem Fachverband zufolge die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan. Ende 2025 habe sich die Gesamterzeugung der Anlagen bundesweit auf 12,8 Terawattstunden belaufen. "Eine Steigerung auf 14,5 Terawattstunden wäre problemlos möglich", so der FvB. Zusammen mit dem aktuell importierten Biomethan in Höhe von 3,5 Terawattstunden könnten kurzfristig 16,3 Terawattstunden Biomethan genutzt werden, was 6,3% des Erdgasverbrauchs für Wohnungen entspreche. Das wäre relevant für die "Biotreppe" beziehungsweise die Grüngasquote des Gebäudemodernisierungsgesetzes.
Nicht vergessen werden darf laut FvB, dass bei der Biogaserzeugung auch hochwertiger organischer Dünger entsteht. Die Gesamtmenge der Gärprodukte liege bei 96 Mio. Tonnen. Diese könnten entweder direkt in flüssiger Form oder nach einer entsprechenden Aufbereitung verwendet werden. Die Summe an Stickstoff aus Gärprodukten beläuft sich dem Verband zufolge pro Jahr auf 735.000 Tonnen; an Phosphoroxid sind es 478.000 Tonnen und an Kaliumoxid 725.000 Tonnen. AgE
