Baden ächzt unter der Trockenheit
Aufgrund der Hitze und Trockenheit hat der BLHV jetzt Unterstützung für die Landwirte angemahnt. In einem Forderungspapier drängt der Landesbauernverband unter anderem auf die Aktivierung von Dürrehilfen und zinslose Überbrückungskredite. Von deutlichen Qualitätseinbußen berichtete auch die ZG Raiffeisen. Unterschiede gibt es aber je nach früh- oder spätreifen Regionen. Der Verband süddeutscher Zuckerrübenanbauer geht von gravierend niedrigen Erträgen aus. In Frankreich wird eine katastrophale Maisernte erwartet.

Die Trockenheit in Südbaden setzt die dortige Landwirtschaft zunehmend unter Druck. In einem am Freitag (31.7.) verabschiedeten Forderungspapier drängt der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) darauf, die Landwirte in der aktuellen Situation zu unterstützen. Neben der Aktivierung der Verwaltungsverfahren für Dürrehilfen fordert der Verband unter anderem zinslose Überbrückungskredite, eine Transportkostenbeihilfe für Futtermittel sowie einen Verzicht auf Kürzungen oder Rückforderungen aus dem Förderprogramm FAKT und der Öko-Regelung 4, wenn aufgrund der Trockenheit ein vorzeitiger Weideabtrieb erforderlich ist und der Mindestviehbesatz nicht eingehalten werden kann.
Nach den Worten von BLHV-Präsident Bernhard Bolkart kämpfen die Betriebe derzeit an zwei Fronten. "Hitze und Trockenheit gefährden Ernten und Futtervorräte, gleichzeitig geraten viele Höfe durch sinkende Erzeugerpreise und steigende Kosten wirtschaftlich immer stärker unter Druck", sagte Bolkart.
Dem BLHV zufolge vertrocknen auf zahlreichen Maisflächen die Bestände. Teilweise planten die Landwirte, jetzt schon den Futtermais zu häckseln, bestätigte eine Sprecherin auf Anfrage. Beim Getreide würden teils massive Ertragseinbußen gemeldet. In der Tierhaltung müssten Betriebe ihr Vieh bereits jetzt von den Weiden holen und Winterfutter einsetzen, obwohl die eigentliche Fütterungsperiode noch Monate entfernt sei. Damit wachse die Sorge, dass die Futtervorräte nicht bis zum nächsten Frühjahr reichten, unterstrich der BLHV. Gleichzeitig fehlten vielen Betrieben aufgrund der angespannten Marktlage die finanziellen Spielräume, um die zusätzlichen Belastungen aufzufangen.
Bereits Mitte Juli hatte das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium den Betrieben im Südwesten aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des geringen Grünlandaufwuchses die Möglichkeit eingeräumt, stillgelegte Flächen zur Futterernte zu nutzen.
Historisches Ausmaß
Wie wenig es in Südbaden geregnet hat, zeigt sich beispielhaft an der Wetterstation Freiburg. Laut Agrarmeteorologie Baden-Württemberg hat es dort im ganzen Monat Juli lediglich 13 Millimeter Regen gegeben. Im Mittel sind es in diesem Sommermonat etwa 100 Millimeter. Wie trocken es in Südbaden ist, lässt sich auch dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) entnehmen. Demnach liegt im Südwesten sowie entlang der Rheinschiene bis nach Nordrhein-Westfalen hoch verbreitet eine 20- beziehungsweise eine 50-Jährlichkeit an Dürre in den Bodenschichten bis 25 Zentimeter vor. In den Bodenschichten bis 1,8 Meter Tiefe erstreckt sich eine 50-jährige Dürre insbesondere auf den süddeutschen Raum. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sprach in seiner Bilanz für den Monat Juli von einer Trockenheit im Südwesten und Westen Deutschlands von "historischem Ausmaß".
Deutliche Qualitätseinbußen
Wie sich die Hitze im südwestdeutschen Raum ausgewirkt hat, machen auch die am Dienstag (4.8.) von der ZG Raiffeisen vorgelegten Zahlen zur diesjährigen Getreideernte deutlich. Laut der Genossenschaft erzielten die Landwirte in den früh abreifenden Erntegebieten noch überwiegend zufriedenstellende Erträge. In vielen später abreifenden Regionen seien hingegen deutliche Ernteeinbußen verzeichnet worden.
Nach Angaben der ZG Raiffeisen fallen etwa beim Weizen die Erträge und Qualitäten regional sehr unterschiedlich aus. Während entlang der Rheinschiene überwiegend 7,5 bis 8,5 Tonnen je Hektar gedroschen wurden, ernteten Landwirte in späteren Lagen im Mittel nur 6 bis 7 Tonnen je Hektar.
Deutlich gelitten hat der Mais unter der Rekordhitze Ende Juni und der anhaltenden Trockenheit während seiner Blüte und damit in einer besonders sensiblen Entwicklungsphase. Derzeit rechnet das Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit einer um rund 30% unterdurchschnittlichen Maisernte. Wie deutlich die Ertragseinbußen letztlich ausfallen, hänge jedoch von der weiteren Witterung in den kommenden Wochen ab, betonte die ZG Raiffeisen. Während tiefgründige Standorte vielerorts noch stabile Pflanzenbestände zeigten, seien auf leichteren Böden deutliche Trockenschäden sichtbar, berichtete die Genossenschaft. Regionale Niederschläge hätten nur punktuell für Entlastung gesorgt.
Gravierende Schäden in Zuckerrüben
Schwer zu schaffen machen Hitze und Trockenheit auch den Zuckerrübenbeständen in Süddeutschland. Der Verband süddeutscher Zuckerrübenanbauer (VSZ) rechnet in seiner am Montag (3.8.) vorgelegten Prognose nach Proberodungen mit gravierend niedrigeren Zuckerrübenerträgen. Das Kampagnenergebnis könnte sogar unter dem des Jahres 2015 liegen, das von extremer Trockenheit und Hitze geprägt war. Der VSZ wies darauf hin, dass in allen Regionen die Ernteerwartungen unter dem langjährigen Durchschnitt rangierten. Besonders betroffen seien die Anbauregionen Franken, Baden-Württemberg und Hessen-Pfalz.
Nach seinen Ausführungen haben die Zuckerrüben aufgrund der anhaltenden Trockenheit vielerorts ihr Wachstum eingestellt. Normalerweise befindet sich die Rübe im Hochsommer in ihrer entscheidenden Masse- und Zuckerzuwachsphase. Dem VSZ zufolge zeigen sogar Bestände auf tiefgründigen Lössstandorten mit normalerweise guter Wasserversorgung deutliche Trockenstresssymptome. Zusätzlich breiteten sich Krankheiten wie SBR und Stolbur aus.
Frankreich: Kleinste Maisernte seit 35 Jahren
Eine "katastrophale" Ernte erwartet der französische Berufsstand beim Mais. Die vom Fachverband der Maiserzeuger (AGPM) Ende Juni prognostizierten 9,5 Mio. Tonnen Körnermais gelten zunehmend als kaum noch erreichbar. Verbandspräsident Franck Laborde hatte selbst diesen Wert vor Journalisten als Rekordtief bezeichnet und von der kleinsten Ernte seit 35 Jahren gesprochen. Die Agrarbehörde FranceAgriMer korrigierte Ende Juli den Anteil der Maisbestände in einem "guten" bis "sehr guten" Zustand nach unten. Demnach sank er zum Stichtag 27. Juli im Mittel auf 33%. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag er bei 69%.
In Südfrankreich, wo seit Monaten Rekordtemperaturen herrschen, hat am 30. Juli die Weinlese begonnen. Branchenfachleute sprechen von einem außergewöhnlich frühen Start. Ein immer zeitiger Beginn der Weinlese im Mittelmeerraum ist bereits seit einigen Jahren zu verzeichnen. AgE
