Alternative zum Maisdeckel
Die EEG-Marktprämie könnte nur noch für Strom aus Substraten mit Umweltnutzen gezahlt werden. Das schlägt Agora Agrar vor. Mais bliebe zulässig, müsste sich aber über den Börsenpreis tragen. Der "Maisdeckel" könnte entfallen, der Flexzuschlag steigen. Allerdings sei der Erhalt der Bestandsanlagen "kein Selbstzweck". Maisstroh und Wirtschaftsdünger sind laut KTBL-Berechnungen schon heute wirtschaftlich konkurrenzfähig. Doch es bedürfe auch Anreizen aus der Agrar- und Klimapolitik.
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In die Debatte um die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2027) bringt die Denkfabrik Agora Agrar einen Vorschlag ein, der den "Maisdeckel" überflüssig machen soll: Die Marktprämie für Biogasstrom könnte künftig nur noch fließen, soweit der Strom aus "multifunktionalen Substraten" stammt. Darunter fassen die Autoren Reststoffe, Koppelprodukte, mehrjährige Energiepflanzen und Zwischenfrüchte, deren Anbau oder Vergärung über die Energieerzeugung hinaus einen Nutzen für Boden, Gewässer, Klima oder Biodiversität bringt. Das geht aus einem am Dienstag (29.9.) veröffentlichten Impulspapier hervor.
Maisdeckel gegen Substratbindung
Mais und andere einjährige Energiepflanzen dürften diesem Vorschlag zufolge weiterhin vergoren werden. Die daraus erzeugte Strommenge wäre jedoch nicht mehr förderfähig und müsste sich allein über den Börsenstrompreis refinanzieren. Im Gegenzug könnte der im Regierungsentwurf vorgesehene Maisdeckel von 30 Masseprozent entfallen. Die damit verbundenen Einkommensverluste ließen sich nach Einschätzung der Autoren über einen höheren Flexzuschlag teilweise ausgleichen. Kontrollieren ließe sich der Substrateinsatz über einen Abgleich des Einsatzstofftagebuchs mit einer Positivliste.
Anlagenerhalt kein Selbstzweck
Die Biogasproduktion müsse sich räumlich und beim Produktionsvolumen stärker an der Verfügbarkeit multifunktionaler Substrate orientieren, so die Autoren. Demnach sei der Erhalt von Bestandsanlagen "aus diesem Blickwinkel kein Selbstzweck". Auch in der Umstellung auf Biomethan sieht Agora Agrar für den Großteil des deutschen Biogasanlagenbestands keine verlässliche Perspektive. Nach Zahlen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) machten Energiepflanzen im Jahr 2024 noch 69% des Energieinputs in Biogasanlagen aus.
Maisstroh bereits konkurrenzfähig
Ausgangspunkt der Vorschläge ist eine von Agora Agrar beauftragte Studie des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL), in der die betriebswirtschaftlichen Leistungen und Kosten multifunktionaler Substrate berechnet wurden. Einige dieser Substrate könnten schon ohne zusätzliche Förderung mit klassischen Energiepflanzen konkurrieren.
Danach liegen die spezifischen Strombereitstellungskosten einer Modellanlage mit 75% Wirtschaftsdünger um 26% unter denen der Referenzanlage, allerdings nur, sofern Gülle und Mist aus dem eigenen Betrieb stammen und nicht zugekauft werden müssen. Eine Anlage mit 30% Maisstroh kommt auf 14% niedrigere Kosten. Getreidestroh liegt mit der Referenzanlage gleichauf, Rapsstroh 26% darüber. Deutlich teurer bleiben Landschaftspflegegrün mit 67% und einjähriger Aufwuchs von Ackerrand- und Blühstreifen mit 87% höheren Kosten.
Agrar- und Klimapolitik sollen nachlegen
Ökonomisch tragfähig werde das Modell für Anlagenbetreiber vor allem dann, wenn die Umweltleistungen der Substrate auch außerhalb des EEG honoriert werden, heißt es in dem Papier. Über Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie Vertragsnaturschutzprogramme der Länder ließen sich Umweltleistungen räumlich und zeitlich zielgenauer honorieren als über pauschale Zahlungen am Strompreis. Für mehrjährige Wildpflanzengemenge mit jährlicher Ernte besteht bereits eine Kofinanzierungsoption im Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK), für die Durchwachsene Silphie fehlt sie.
Klimapolitisch plädiert das Papier dafür, finanzielle Anreize langfristig nicht isoliert für einzelne Maßnahmen zu setzen, sondern über einen emissionsbezogenen Mechanismus, also über die Honorierung der konkreten THG-Minderungsleistung. Derzeit werden schätzungsweise 33% der in der deutschen Nutztierhaltung anfallenden Wirtschaftsdünger vergoren, das technische Potenzial liegt bei rund 70%. Um dieses Potenzial zu erschließen, sind den Autoren zufolge wirtschaftliche Anreize erforderlich.
Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des EEG befindet sich aktuell im parlamentarischen Verfahren und hat die erste Lesung im Bundestag passiert. Auch der Bundesrat hat im ersten Durchgang Stellung genommen. AgE
