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"Die Not ist groß"

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Ohne politisches Handeln drohen laut DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier weitere Betriebsaufgaben. Die Reserven vieler Schweinehalter seien aufgebraucht. Beim Veredelungstag im bayerischen Essenbach fordert Beringmeier erneut, nationale Fristen für den Stallumbau wegen neuer EU-Vorgaben zu verschieben. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz müsse auch ausländische Ware und die Außer-Haus-Verpflegung erfassen. Ausstiegsprämien lehnt Beringmeier ab.

Die wirtschaftliche Lage der Schweinehalter hat sich nach Einschätzung von DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier dramatisch zugespitzt. "Die Not ist groß", sagte Beringmeier am Dienstag (27.10.) beim Veredelungstag des Deutschen Bauernverbandes im bayerischen Essenbach. Die Branche stehe vor einem "kritischen Wendepunkt". Die Politik müsse jetzt handeln, um weitere Betriebsaufgaben und den Verlust regionaler Wertschöpfungsketten zu verhindern, mahnte er.

 

Wie Beringmeier vor Journalisten am Rande der Veranstaltung ausführte, seien die finanziellen Reserven vieler Betriebe mittlerweile aufgebraucht. Zahlreiche Schweinehalter schrieben rote Zahlen, zudem fehle es an kurzfristiger Liquidität.

 

Gegen Ausstiegsprämien

 

Als Grund für die angespannte Lage hat der DBV das Überangebot an Schweinefleisch auf dem europäischen Markt ausgemacht. In Deutschland liege der Leitpreis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) deshalb bei nur noch 1,40 Euro/kg Schlachtgewicht (SG). Wichtige EU-Exportmärkte könnten durch die zunehmende Konkurrenz auf den internationalen Märkten und Handelshemmnisse wie die Afrikanische Schweinepest (ASP) derzeit nur eingeschränkt bedient werden.

 

Von Ausstiegsprämien für aufgabewillige Betriebe will der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) allerdings nichts wissen. Eine entsprechende Frage hätten Landwirte an den zugeschalteten Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer gerichtet. "Dafür sind wir nicht angetreten", stellte Beringmeier klar. Dass viele Betriebe weiterhin auf eine Verbesserung der Lage hofften, zeige schließlich auch die große Resonanz auf den diesjährigen Veredelungstag mit mehr als 500 Teilnehmern.

 

Fristen für Stallumbau verschieben

 

Um den Betrieben eine Perspektive zu geben, forderte Beringmeier erneut, die nationalen Fristen für den Umbau von Deck- und Abferkelbereichen zu verschieben. Denn auf EU-Ebene stünden dazu ohnehin neue Vorgaben an. "Wir können es uns nicht leisten, länger vom EU-Standard abweichen", sagte er.

 

Beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) mahnte Beringmeier eine konsequente Umsetzung an. Die Kennzeichnung müsse auch die Außer-Haus-Verpflegung und ausländische Ware umfassen und dürfe sich nicht auf deutsches Schweinefleisch beschränken.

 

Weitere China-Reise geplant?

 

Entlastung erhofft sich Beringmeier von der Erschließung neuer Exportmärkte. Ressortchef Rainer sei mit seiner Exportstrategie bereits auf einem guten Weg. "Es fehlt aber an Ergebnissen", stellte er fest. Dies gelte insbesondere für den angestrebten Marktzugang in China.

 

Gleichwohl zeigte sich der DBV-Veredelungspräsident vorsichtig optimistisch, dass es dort bald Fortschritte geben könnte. Aus dem Ministerium habe es Signale gegeben, dass in absehbarer Zeit eine weitere Reise nach China geplant sei, berichtete Beringmeier.

 

Beringmeier verteidigt VEZG-Preissystem

 

Das VEZG-Preissystem verteidigte Beringmeier bei der Pressekonferenz anlässlich des Veredelungstages. Dass sich Erzeuger wie Abnehmer über zu niedrige beziehungsweise zu hohe Preise beschwerten, ist seiner Ansicht nach eher Ausweis, dass das System "irgendwo auch gerecht" sei. Halbjahrespreise, wie sie zuletzt von Teilen der Abnehmerseite vorgeschlagen worden seien, sowie die Vorstöße großer Schlachtunternehmen in den vergangenen Monaten lehnt er dagegen ab.

 

Als mögliche Alternative brachte Beringmeier eine Praxis aus den Niederlanden ins Spiel. Dort könne ein Teil der Schweineproduktion per Kontrakt zu einem festen Preis abgesichert werden. Denkbar sei beispielsweise, ein Drittel der Jahresproduktion auf diese Weise zu vermarkten. "Aber garantiert nicht zu 1,40 Euro/kg, sondern zu 2,10 Euro/kg", betonte er. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass auch die vier großen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) mitzögen. AgE

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